Sonntag, 13. Oktober 2013

MARGALEF Shadowside

Mit schwitzigen Fingern halte ich den Kletterführer Tarragona von Dani Andrada in den Händen und mahle mir aus, wie ich die tollen Lochlinien genieße. Übermorgen soll es los gehen. Drei Wochen Spanien. Drei Wochen Margalef. Drei Wochen dem mäßigen Wetter Deutschlands entfliehen. Also packen wir unseren blauen Caddy bis unters Dach voll und zischen ab in den Süden, wo wir uns mit Matze und Doro aus Scheßlitz in Margalef treffen. Conny und ich waren schon sehr heiß darauf, die Routen im Laboratori anzutesten. Atlethische Kletterei an Löchern, die nicht länger ist als 12 Meter. Das klingt gut... Aber die Sonne machte uns hier einen dicken Strich durch die Rechnung und so drängte sie uns eher in die Schattengebiete des Tals. Die gibt es zur Genüge und die Touren sind einfach wahnsinnig gut. Nach einem Einklettertag in verschiedenen Sektoren, machten wir uns auf zum Sektor Cova Soleiada, wo Conny und ich nach einigen Tagen Arbeit die Maxkraftausdauertour "Mistic" 8b+ klettern konnten. Diese Tour hält neben einem bösen Boulder einige sehr intensive und weite Züge parat. Daran mussten wir uns erstmal gewöhnen. Denn in Margalef ist es nicht die Kunst, die Griffe zu halten und die Züge irgendwie zu machen. Sondern man muss schon manchmal echt weit blocken, um die Löcher sauber zu bekommen. Mit schnappen und hängenbleiben ist es eben nicht getan. Auch lässt der ersehnte Henkel oft sehr lange auf sich warten. Manchmal zu lange... Apropos Henkel. Im selben Sektor habe ich eine wunderschöne 30 Meter lange 8a machen können. "Doctor Feelgood" würde ich mit zu den schönsten Routen in diesem Grad zählen, die ich bisher unter die Finger bekommen habe. Im Sektor Roco de la Finestra haben wir uns den Klassiker "El Fustigador" 8a+ rausgesucht. Die 35 Meter lienie ist die "leichteste" an diesem Riesenzapfen und schlängelt sich über mal gute und mal weniger gute Löcher nach oben. Der Fustigador ist Conny sowohl auch mir für den Grad echt schwer gefallen, da wir beide solche Routenlängen eben nicht gewöhnt sind.
Nach dem Klettern ging es dann oft erst in den kleinen Dorfladen, um nach dem gemütlichen Einkauf und einigen Lektionen Spanisch in das "Cafe Vernet" auf ein Estrella zu wechseln. Abends auf unserem Stellplatz oberhalb des Stausees genießen wir die Ruhe und die tollen Gemüsepfannen, die Conny abendlich auf den Tisch zaubert. Einige Tage verbringen wir auch am Sektor Ca la Marta, der sich direkt gegenüber unseres Stellplatzes befindet. Dort kann Conny die beinahe 40 Züge der Route "Pollastre de granja" 8a aneinanderreihen und ich freue mich über eine Begehung des "La preso dels monstres" 8b+. Der Rhythmus, zwei Tage klettern und einen Tag Ruhe, wird gegen Ende unseres Urlaubs immer zäher und wir merken, dass wir in diesem Urlaub schon echt viel geklettert sind. Nach einem Abstecher nach "Klein Ceüse" Raco de les Espandelles, klettern wir noch einige leichtere Touren und beschließen: hier müssen wir unbedingt wieder hin. Wir verabschieden uns von einem der besten Klettergebiete die wir je gesehen haben, von den freundlichen Menschen, die wir dort kennengelernt haben und treten wehmütig die Heimreise an.

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